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Riskiere, dich zu mögen. Riskiere, anders zu sein, als deine Eltern, die Gesellschaft, deine Partnerin/dein Partner dich haben wollen. Und erkenne, was dich davon abhalten könnte. Denn wir sind ja nicht zu doof, unser Queensize-Leben zu finden. Wir sind ja nicht zu schwach, um unser eigenes Königinnenreich aufzubauen. Sondern wir verlieren uns oft in Ambivalenzen.

Einige Beispiele:
»Ja, ich möchte, dass nach meinen Spielregeln gespielt wird. Aber mag mich dann noch jemand?«
»Ja, ich möchte sagen, was ich denke. Aber werde ich dann nicht von den anderen fertiggemacht?«
»Ja, ich möchte beruflich erfolgreicher werden. Aber finden mich Männer dann noch attraktiv?«
»Ja, ich möchte mich selbstständig machen. Aber was, wenn ich keine Kunden finde?«
»Ja, ich möchte kürzertreten im Beruf. Aber verliere ich dann die Gunst meiner Chefin?«
»Ja, ich möchte, dass meine Kinder selbstbestimmt und angstfrei aufwachsen. Aber bekomme ich dann Probleme in der Schule und mit anderen Eltern?«

Ambivalenz ist die Schiffschaukel der Ängste. Es ist ein uraltes Phänomen. Wir schwanken zwischen Autonomie und Abhängigkeit. Zwischen Distanz und Nähe. Zwischen Selbstbestimmung und Gemeinschaft. Zwischen Mut und Schiss. Das gilt für große Lebensfragen wie für kleine Sehnsüchte.

Schwing den Aber-Besen
Mit Anfang 40 arbeitete ich ja neben meinem festen Job als Redakteurin auch freiberuflich als Buchautorin, Trainerin und Coach. Jeder außer mir erwartete sehr bald, dass ich mich selbstständig machen würde. Doch ich hatte so viele »Abers« im Kopf. (…) Von Bedenkenträgerinnen in meinem Bekanntenkreis kamen noch ein paar »Abers« dazu. (…) Sieben Jahre führte ich dieses Doppelleben: Montag bis Donnerstag Redakteurin, am Wochenende Seminare oder Buchschreiben. Bis es mich fast zerriss. Als Erstes fiel das meinen Kolleginnen auf. »Was ist los mit dir, du lachst ja gar nicht mehr?« Ich spürte selbst, dass beides zu viel war. Doch die Angst vor den »Abers« überwog: Also reduzierte ich die Wochenendaufträge. Schon nach wenigen Monaten spürte ich: Ich habe das Falsche aufgegeben. Endlich traute ich mich, ins (ja gar nicht mehr so) kalte Wasser zu springen. Und kündigte. Im Nachhinein eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Warum erzähle ich dir diese Geschichte? Sie ist ein Beispiel dafür, wie uns viele vermeintlich gewichtige »Abers« den Spaß verderben können. Und deswegen habe ich den »Aber-Besen« erfunden. Mit seiner Hilfe kannst du deine »Abers« auf ihre Berechtigung abklopfen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, ich habe dafür extra Bleistifte mit einem kleinen Besen daran anfertigen lassen.

Wie das geht?
Schreibe dein Ziel als Überschrift auf ein großes Blatt Papier. Dann liste darunter alle »Abers« auf, die dir einfallen. Es können deine eigenen Befürchtungen sein oder die »Abers« die dir besorgte Mitmenschen (s.o., auch Bedenkenträger/innen genannt), ins Hirn gepflanzt haben. Keine Angst vor der Macht des Aufschreibens. Wenn du deine Gedanken einmal aufgeschrieben hast, fällt es leichter, sie kritisch zu hinterfragen. Schau dir jetzt jedes »Aber« aufmerksam an: Ist es nur ein Hirngespinst und du musst selbst lachen, dass du es ernst genommen hast? Dann streich es einfach kräftig durch. Oder steht da ein »Aber«, das du wirklich ernst nehmen kannst? Solche gibt es durchaus. Also ich finde, wenn jemand nach Australien auswandern und dort einen Würstelstand aufmachen will, sollte er zumindest etwas Englisch sprechen können. Und wissen, ob Australier deutsche Würste mögen. Auf seinem Aber-Bogen könnte er notieren: Englischkurs machen, Markt checken. Wenn du also das Gefühl hast, dir fehlen noch Informationen, du musst dich kundig machen, du brauchst ein Konzept oder einen Plan, du hättest gern jemanden, der dich begleitet, du müsstest noch etwas lernen oder erfragen, du musst dich noch besser vorbereiten – dann schreib das alles zu den einzelnen »Abers« dazu. Und wenn du schließlich das Gefühl hast, du hast die Bedenken ernst genommen und Lösungen dazugeschrieben, dann hake jedes einzelne »Aber« ab. Du weißt jetzt, was zu tun ist. Schreib möglichst Termine zu den Vorhaben, bis wann du was erledigen wirst. Du kannst dir vielleicht jetzt schon vorstellen, wie befreiend diese Aber-Arbeit sein kann: Diffuse Ängste werden benannt, Einwände anderer kannst du ernst nehmen oder abhaken, du hast einen Plan und wirst dein Vorhaben nicht auf den Sanktnimmerleinstag verschieben.

Auszug aus: Asgodom, Sabine: Queen of fucking everything. So bekommst Du das großartige Leben, das zu Dir passt. dtv premium, 208 Seiten, ISBN 978-3-423-26275-0
Erscheint am 21. August 2020.

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